Gottes Wege

Ich freue mich endlich wieder die einheimische Schule zu besuchen, die wir als Familie unterstützen. Mein Kollege, und Gründer der Schule, fährt mit mir. Nach wenigen Minuten müssen wir stehen bleiben. Die Straße, in die wir einbiegen wollen, ist gesperrt, eine Autoschlange hat sich gebildet. Der Präsident hatte ein Meeting und befindet sich auf dem Weg zurück in sein Büro. Es dauert ca. 10 Minuten bis die Kolonne aus zivilen und Militärfahrzeugen vorbei ist.

Wir fahren an den Stadtrand, vorbei an baufälligen Häusern, Lehmhütten und kleinen Geschäften. Von der asphaltierten Straße biegen wir ab, in eine Gegend, die erst seit wenigen Jahren von Zivilisten bewohnt ist. Manche Behausungen haben keine Wände, nur Eckpfeiler aus Holz und ein Strohdach. Darunter liegt eine Matratze. Ein luftiges Zuhause, vielleicht angenehm, an heißen Nächten, hier in Äquatornähe. Allerdings mehr als unangenehm, wenn Mosquitos herum schwirren und der Regen fällt. Privatshpäre gibt es auch keine. Manche Hütten aus Lehm sind einander zugewandt und in den, so entstandenen, Höfen hängt Wäsche und spielen kleine Kinder. Auch viele ältere Kinder sind unterwegs. Sie sind zu beschäftigt um in die Schule gehen zu können. Sie holen Wasser und Holz und passen auf jüngere Geschwister auf.

Endlich kommen wir bei der Schule an. „God make ways“, heißt es auf dem Schild. Das ist auch mein Wunsch. Wege aus der Armutsfalle für diese Kinder. Tatsächlich hat sich wieder viel getan. Die meisten Kinder sind in Schuluniform gekleidet. Das ist den Eltern wichtig, darum haben sie das Geld dafür zusammengekratzt. Das Mittagessen wird verteilt, sobald ich komme. Reis und Bohnen sind gemischt und die Kinder stellen sich an. Eine der Köchinnen verteilt das Essen. Ein Kind kommt mit einem Loch im Teller. Manche Kinder teilen einen Teller. Kulturell ist das zwar üblich, aber die Lehrer wünschen sich trotzdem mehr Teller. Ich fände es auch hygienischer.

Die Kinder freuen sich, dass ich sie fotografiere. Ich freue mich, dass sie essen können.

Ich unterhalte mich noch kurz mit den Lehrern und frage nach der erst kürzlich entstandenen Kindergartengruppe. Sie wurde aus der Not heraus gegründet, da viele, jüngere Geschwister in die Schule mitkommen mussten. Die Lehrer erklären mir, dass viele Mütter als „Teekocherinnen“ arbeiten. Sie verkaufen am Straßenrand Tee und Mandazi, gebackene Teigstücke. In einer Familie, in der die Eltern den ganzen Tag außer Haus arbeiten, kann man sich zwar vielleicht die Schulgebühren für ältere Kinder leisten, allerdings bleiben die Jüngsten unbeaufsichtigt. So kamen sie eben mit in die Schule, krabbelten am Boden der ersten Klasse herum und weinten oft, vor Müdigkeit und Langeweile. Jetzt ist das Chaos der ersten Klasse beseitigt und Kinder ab ungefähr drei Jahren werden in einer Kindergartengruppe zusammengefasst. Mit den Eltern wurde abgesprochen, eine andere Betreuung für jüngere Kinder zu finden.
Das scheint im Moment gut zu klappen.
Ich verspreche noch, Schulbücher in Kenia zu besorgen, um den Lehrern Material für die Kindergartengruppe zur Verfügung zu stellen.
Auf dem Rückweg fahren wir wieder vorbei an Hütten und in die Stadt hinein. Ein großes Plakat zeigt eine Kampagne gegen Gewalt: „Nur Schwächlinge schlagen Frauen“, steht groß auf dem Plakat und die Abbildung zeigt einen Boxlehrer. Gewalt in der Familie und gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Problem hier. Auch die Frauenrechte sind antiquiert. Frauen können ohne Einwilligung ihres Mannes nicht einmal die Hilfe einer Hebamme in Anspruch nehmen, wenn ihr Baby geboren wird. Was passiert, wenn der Mann aber nicht zu Hause oder nicht zu erreichen ist?
Wir umfahren die Verkehrspolizei, die gerne „lunch money“ hätte und kommen zurück nach Hause. Veränderung braucht Zeit und Gottes Wege zu erkennen braucht Zeit. Diese Wege dann auch zu gehen, benötigt noch mehr Zeit. Aber ich vertraue Gott, dass er alle Zeit der Welt hat und Ihm diese Menschen noch mehr bedeuten als mir.

„Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Psalm, 31,16

7 Gedanken zu „Gottes Wege

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