Ich selbst bleiben / Being myself

Kürzlich, als der Schmutz unter meinen Fingernägeln schon so tief eingegraben war, dass ich ihn nicht mehr heraus bürsten konnte, fragte mich mich, ob ich noch ich selbst war.

Meine ehemalige Berufstätigkeit ist jetzt reduziert auf einen Teilzeitjob, den ich als Freiwillige mache.
Unsere Kinder werden älter und benötigen meine Unterstützung in anderen Bereichen als früher.
Wir haben eine Heimat, weit weg von unserer ursprünglichen Heimat, gefunden und passen uns an die örtlichen Gegebenheiten an.
Wir sind Missionare und leben und arbeiten eng mit einem internationalen und nationalen Team zusammen.
Wir erleben Gottes Wirken und seine weltweite Kirche anders als zuvor.

Ich kann ja eigentlich nicht mehr dieselbe sein.

Trotzdem liegt noch ein langer Weg vor mir. Gott verändert mich noch weiter, damit ich ihn mit meinen Worten und meinen Taten mehr ehre als zuvor. Denn er ist es, der all das Gute durch mich bewirkt. Er befähigt mich.
Im Moment gebraucht er meinen Umstände um mich zu verändern. Ich kann nicht bleiben, wie ich war.

Das war auch eine der Einladungen und Verheißungen, die Gott ausgesprochen hat, als er mich zu sich gezogen hat: „Zu mir darfst du so kommen wie du bist. Du musst nicht so bleiben, wie du jetzt bist.“

Gott hält seine Versprechen. Ich werde ihm ähnlicher mit der Zeit. Aber es schmerzt. Der normale Mensch wünscht sich keine Änderungen. Schon gar keine großen Herausforderungen, wie Kollegen mit anderen Ansichten und Vorlieben 😉 oder ein extremes Klima oder anderes.

Und dann höre ich, dass andere mich beneiden.
Um die Erfahrung.
Um das Haus, in dem wir wohnen.
Um meine freie Zeiteinteilung.

Wenn jemand das auch möchte, dann kann er oder sie gerne folgendes Gebet sprechen. Aber Achtung! Es ist gefährlich. Gott nimmt dein Gebet ernst. „Jesus, ich gebe dir mein ganzes Leben.“

Ein folgenschweres Gebet. Man kann sich in einem Land wiederfinden, das politisch instabil ist. In einer Umgebung, die bedrohlich ist und manchmal schwer zu verkraften.
Man kann sich wieder finden, in einer fremden Kultur, die nicht nur ein bisschen anders ist, sondern das Gegenteil, von dem was wir kennen.
Man kann sich plötzlich wieder finden, in einem Haus, in dem es manchmal vom oberen ins untere Stockwerk tropft, das Wasser so kalkhaltig ist, dass es alles ruiniert und das Bett so schmal ist, dass wir uns gegenseitig aufwecken, wenn wir uns im Schlaf umdrehen.
Aber es ist viel besser, als ein Tukul, mit Lehmwänden und Grasdach. Das ist klar.
Wenn Gott es mir das alles zutraut, dann werde ich es auch meistern. Doch so bleiben wie ich war, kann ich dabei nicht. Das ist auch klar.

Vor mir liegt ein weiter Weg. Mein Leben gehört nicht mehr mir selbst. Es gehört meinem Vater im Himmel, der es gut mit mir meint.